Migräne-Fakten
Wer mehr über seine Krankheit weiß, kann besser damit leben!
Was ist Migräne überhaupt?
Migräne ist nicht “einfach nur Kopfweh”, sondern eine neurologische Erkrankung! Doch selbst viele Betroffene wissen das nicht. Wir haben hier die wichtigsten Fakten zu Migräne zusammengestellt. Sie wollen noch mehr erfahren? Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Migräne.
Migräne
- … ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Sie betrifft hier etwa 18 Millionen Menschen (Quelle s.u.). Die meisten davon sind erwerbstätig. Dabei sind weit mehr Frauen betroffen als Männer. Die Erkrankung ist häufiger als Diabetes, Asthma und Epilepsie zusammen. Heilbar ist Migräne nicht.
- … ist die Nr. 1 unter den chronischen Erkrankungen bei der Bevölkerung unter 50 Jahren.
- … ist eine neurologische Erkrankung (Diagnosekatalog der Weltgesundheitsorganisation WHO (ICD 10)).
- … hat eine genetische Komponente, d.h. bei den Betroffenen liegt eine ererbte Veranlagung. Auch diverse Hormone und Lebensumstände spielen eine Rolle, etwa als Auslöser von Attacken.
- … Häufigkeit und Dauer einer Attacke variieren. Manchmal kennen Betroffene Anzeichen, mit denen sich eine Attacke ankündigt. Tageweise kann Migräne sehr krank machen.
- … kann ein Grund für die Anerkennung einer Behinderung oder Gleichstellung im Berufsleben sein. In der Altersgruppe von 15 bis 49 Jahren ist sie die häufigste Ursache für Behinderungen bei Frauen (Studie „Global Burden of Disease“). Mehr Info zu Migräne am Arbeitsplatz finden Sie hier.
So erkennen Sie eine Migräne:
- Häufig besteht ein halbseitiger pochender Kopfschmerz, der durch Bewegung schlimmer wird.
- Oft begleiten Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen die Kopfschmerzen.
- Licht‑, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit sind generell stärker ausgeprägt und in der Attacke noch gesteigert.
- Auch andere neurologische Symptome können auftreten (z.B. Seh- oder Sprachstörungen). Sie treten oft zeitlich begrenzt vor Einsetzen der Schmerzen auf. Man spricht dabei von einer Migräne-Aura.
- Migräne kann in episodischer (bis 15 Tage Migräne pro Monat) oder chronischer Form (an 15 oder mehr Tagen pro Monat) auftreten.
- Migräne kann aus bis zu vier Phasen bestehen, die mehrere Tage andauern können:
- der Vorboten- (Prodromal-)Phase (s.u.),
- Aura-Phase,
- Kopfschmerz-Phase und
- Erholungsphase.
- Viele Migräneerkrankte erkennen die Vorboten der Attacke in der Prodromalphase. Das können beispielsweise Heißhunger, Gähnen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Muskel- und Nackenverspannungen, kalte Gliedmaßen, Verdauungsprobleme oder Gedächtnisveränderungen sein. Die Attacke ist dann schon im Gang, auch wenn noch kein Kopfschmerz eingesetzt hat.
- Schokolade etc. sind keine Auslöser von Migräne, sondern zeigen durch den Heißhunger (Energiebedürfnis) eine beginnende Attacke an.
- Bei einer Attacke hat man oft ein Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe.
Das Gehirn von Menschen mit Migräne funktioniert speziell:
- Sinnesreize aller Art können weniger gut ausgeblendet werden als von Menschen ohne Migräne. Es liegt eine veränderte Reizverarbeitung im zentralen Nervensystem vor: Ein Sinnesreiz wirkt jedes Mal wie neu, eine Gewöhnung tritt verzögert ein, anders als bei Menschen ohne Migräne.
- Aufgrund der Übererregbarkeit und der besonderen Funktionsweise hat das Gehirn von Menschen mit Migräne einen erhöhten Energiebedarf.
- Stress und Stressabfall können Auslöser von Migräneattacken sein, da beides viel Energie verbraucht.
Möglichkeiten zur Vorbeugung und zur Behandlung der Attacken:
- Zur Akutbehandlung einer Attacke stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung: Triptane wirken spezifisch bei Migräne. Die verschiedenen Triptan-Wirkstoffe unterscheiden sich in Wirkdauer und ‑eintritt. Zusätzlich ist es sinnvoll, Mittel gegen Übelkeit einzunehmen, wenn diese auftritt. Einfache Schmerzmittel (NSAR) wirken nur in ausreichender Dosierung. Betroffene müssen individuell herausfinden, was ihnen am besten hilft.
- Zur Vorbeugung von Attacken gibt es verschiedene Medikamente, die bei jeder Person unterschiedlich gut helfen. Ab drei Migränetagen im Monat wird zu einer Prophylaxe geraten. Besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin.
- Nicht-medikamentöse Verfahren wie regelmäßiger Ausdauersport und Entspannungstechniken können einen günstigen Effekt haben.
- Struktur, Regelmäßigkeit und Routinen sowie Möglichkeiten zur Reizabschirmung sind hilfreich, um Stress zu vermeiden. So sind für Betroffene beispielsweise ein gleichbleibender Schlaf-Wach-Rhythmus sowie regelmäßige Mahlzeiten wichtig.
Besonderheiten der Migräne
- Migräne ist eine unsichtbare neurologische Erkrankung, die zeitweise stark einschränkt und nicht heilbar ist.
- Laut WHO ist die schwere Migräne eine der am stärksten behindernden Erkrankungen überhaupt. Sie bringt besondere Herausforderungen sowohl im Arbeitsleben als auch in der Alltagsbewältigung mit sich, besonders dadurch, dass sie unberechenbar ist: Sie ist individuell unterschiedlich ausgeprägt, sogar jede Attacke kann anders sein – wie ein Chamäleon.
- Migräne-Gehirne sind besonders leistungsfähig: Menschen mit Migräne haben z.B. eine erhöhte Aufmerksamkeit, Wahrnehmungsund Konzentrationsfähigkeit. Man sagt ihnen außerdem eine besondere Sozialkompetenz nach (s. Migräne Magazin Nr. 98)
Wichtig: Suchen Sie sich einen fachkundigen Arzt, eine fachkundige Ärztin! Und dokumentieren Sie Ihre Attacken mittels eines Kopfschmerzkalenders genau.
Quelle Zahlen zu Migräne: https://schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/migraene-wissen/wer-leidet/