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Edgar Allen Poe26 Poe 250

Nachdem der unglückliche Essayist Moeller van den Bruck eine zehnbändige deutsche Übersetzung dieses großen amerikanischen Dichters herausgegeben hatte, gab es bei uns eine Poe-Renaissance, die heute noch untergründig andauert. Mn könnte Poe mit einem treffenden Paradox einen „unsterblichen Modernen" nennen. Zahllose Dichter haben von ihm gezehrt, düstere Romantiker sowohl wie spannungsgeladene Realisten, Lyriker, Novellisten und qualitätsvolle Detektivgeschichtenschreiber.

Er ist der Dirigent eines unübersehbaren Orchesters kleinerer Talente, die seine Noten spielen. In Poe mischen sich realistische und romantische Elemente wie sonst vielleicht nur noch bei dem Russen Gogol; in seiner Lyrik tritt eine lautmalerische Klangempfindung hinzu, die in seiner Ballade „Die Raben" oder in seinem Gedicht „Die Glocken" zur Virtuosität gesteigert ist. Dunkle Visionen („Lenore", „An Helene", „Ulalume") erinnern an Lenau. Vor allem durch seine unheimlichen Kurzgeschichten hat er auf die Moderne gewirkt; er erfindet Spielszenen, die nur noch der Film unserer Zeit übertrifft; Angstträume, Todesphantasien, Verwesung sind häufige Themen, ebenso okkulte Phänomene, Magnetismus, Doppelgängerei und Seelenwanderung. Und er baut diese Komplexe in Erzählungen von schärfster Logik ein, die banale Zweifel ausschließen. Er ist ebenso der Meister des seelischen Banns wie des zwingenden Intellekts. Seine Kurzgeschichten tragen den Titel „Tales of the Grotesque and Arabesque". Sein Abenteuerroman „Gordon the Pym" steht ebenbürtig etwa neben Conrads „Lord Jim". Er hat die weltliterarische Bedeutung des Detektivromans mit seinem „Mörder in der Rue Morgue" begründet, aber ebenso der Kunsttheorie mit seiner „Philosophie der Komposition" höchst neuartige Wege gewiesen, die erst in unserer Zeit ganz sichtbar werden.