Die Großen der Welt

Die Großen der Welt

... von M I G R Ä N E geplagt!
„Die ganze Weltgeschichte verdichtet sich in der Lebensgeschichte weniger und bemerkenswerter Menschen."


Ralph Woldo Emerson (1803- 1882) Amerikanischer Philosoph und Dichter

In dieser Porträt-Reihe stellen wir Ihnen fortlaufend Herrscher, Künstler, Denker, Forscher und Deuter vor, die durch ihre außergewöhnlichen Leistungen weltberühmt wurden - und die allesamt unter Migräne zu leiden hatten: Männer und Frauen aus drei Jahrtausenden, deren Taten als Erfinder, Entdecker und Beweger in die Zukunft gewirkt haben und ihr Andenken - im Guten wie nicht selten auch im Bösen - der Nachwelt bewahrten: eine Galerie der Größe und Tragik, des Erfolgs und des Irrtums - und zugleich Beispiel für das Ungewöhnliche, das trotz der furchtbaren Krankheit möglich ist.

Die Großen der Welt

Albert Einstein

Albert Einstein

Seit den Tagen Brunos und Galileis ist wohl keine neue physikalische Lehre in der Öffentlichkeit so lebhaft umstritten, aber auch so gründlich missverstanden worden, wie Einsteins Relativitätstheorie. Nur fünfundzwanzig Seiten umfasste die im Jahr 1905 erschienene Arbeit „Über die Elektrodynamik bewegter Körper”, um die der Jahrzehnte anhaltende Meinungsstreit entbrannte. Aber die fünfundzwanzig Seiten bedeuteten in der Tat eine Revolution in der Physik.

Auf den ersten Blick zwar erscheint Einsteins Formulierung, die Naturgesetze seien für alle sich gleichförmig bewegenden Systeme dieselben, und es gebe keine absolute Geschwindigkeit außer der des Lichts, nicht gerade umstürzlerisch. Aber wie anders klingt es, vernimmt man, dass die Länge eines bewegten Stabes verschieden groß ist, je nachdem sich der diese Länge Messende mit dem Stab bewegt oder gegen ihn; dass zwei Ereignisse, die einem Beobachter als gleichzeitig erscheinen für einen zweiten, anders bewegten, zu verschiedenen Zeiten stattfinden; dass die Masse eines Körpers mit wachsender Geschwindigkeit zunimmt, dass Masse und Energie wesensgleich sind, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt, dass vielmehr Raum und Zeit zu einem „vierdimensionalen Kontinuum” verschmolzen werden müssen. Die sensationellen Ergebnisse der modernen Forschung unseres Atomzeitalters beruhen zum großen Teil auf den Erkenntnissen Einsteins, besonders seiner Theorie der Lichtquanten. Albert Einstein hat die Menschen immer wieder zu Vernunft und Verständigung, zu Frieden und Flumanität gemahnt. Letzte Erkenntnis seines Lebens war das Wissen von jenem unendlichen Geisteswesen höherer Natur, das sich als höchste Wahrheit und strahlendste Schönheit offenbart. Einstein wurde in Ulm geboren. Seine Jugend verlebte er in München, er ging in die Schweiz und kehrte 1914 nach Deutschland zurück. Später wurde er Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts. 1933 emigrierte er nach Amerika.

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Otto von Bismarck

Otto von Bismarck

Werk und Leistung historischer Persönlichkeiten sind wie ein Gemälde, das unterschiedlich in seiner Wirkung auf den Beschauer ist, je nachdem von welchem Licht und von welcher Seite es angestrahlt wird. Aber der Mensch, der es aus seinem Geist erschuf, bleibt unverändert von Lob und Tadel. Und für immer haftet das Siegel, das er seiner Zeit aufdrückte.

Otto von Bismarck steht im Treffpunkt zweier Welten. Die väterlichen Ahnen stammten aus uraltem, märkischem Herrengeschlecht, die mütterlichen aus dem Kreis bürgerlicher Beamten und Gelehrten.

Beide Elemente vereinigten sich in dem Sohn zu dem ritterlichen Vasallen seines Königs, der mit unbeugsamer Gewalt, mit junkerhafter Selbstherrlichkeit, aber auch mit manchmal fast unfassbarer, weitsichtigster Klugheit, kristallklarem Verstand und ränkevoller List das Ziel seines Wollens. Preußen zu dem machtvollsten deutschen Staat und schließlich Deutschland zur lebens- fähigen, beherrschenden Einheit in Europa zu machen, erreichte.

Das imponierende Äußere seiner Gestalt, die massige Wucht seines Körpers, sein scharf ausgeprägtes Gesicht, seine hohe Stirn und seine suggestive Leuchtkraft der großen, etwas vorstehenden Augen unterstrichen die Fähigkeiten des Geistes. Unbändige Kraft und eine nur mühsam gefesselte Leidenschaft erfüllten seine Kampfnatur. Bismarck ist öfter in entscheidenden Situationen von zornbebendem, verzweifelndem Weinkrampf geschüttelt worden, der bei diesem Hünen desto ergreifender wirkte. Er war innerlich unausgeglichen und hat nie die ruhige Harmonie eines zufriedenen Daseins erfahren. Sein Charakter zwang ihn zu einem Dauerzustand der seelischen Hochspannung- Den einzigen Ausgleich bot ihm die Liebe zur Natur, die ihn sein ganzes Leben hindurch begleitete. Unter den Eichen des Sachsenwalds ist er nach eigenem Wunsch begraben worden.

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Wilhelm Busch

Wilhelm Busch

Ich bin geboren im April 1832 zu Wiedensahl als der erste von sieben. Mein Vater war Krämer, heiter und arbeitsfroh, meine Mutter, still und fromm, schaffte fleißig im Haus und Garten… Sechzehn Jahre alt, ausgerüstet mit einem Sonett und einer ungefähren Kenntnis der vier Grundrechnungsarten, erhielt ich Einlass zur Polytechnischen Schule in Hannover… Im Jahre 48 trug auch ich mein wichtiges Kuhbein, welches nie scharf geladen sein durfte, und erkämpfte mir in der Wachstube die bislang noch nicht geschätzten Rechte des Rauchens und des Biertrinkens;

zwei Märzerrungenschaften, deren erste mutig bewahrt, deren zweite durch die Reaktion des Alters jetzt merklich verkümmert ist…. Busch erzählt dann in seiner kleinen Selbstbiographie den Weg, den er in der Ausbildung als Kunstmaler gegangen ist und wie er dazu kam, die ersten Bildergeschichten zu zeichnen und zu dichten. Er fährt fort: „Dann hab’ ich sie laufen lassen auf den Markt, und da sind sie herumgesprungen, wie Buben tun, ohne viel Rücksicht zu nehmen auf gar zu empfindliche Hühneraugen… Man hat den Autor für einen Bücherwurm und Absonderung gehalten. Das erste mit Unrecht. Ein Sonderling dürfte er schon eher sein. Für die Gesellschaft, außer der unter vier bis sechs Augen, schwärmt er nicht sehr… So stehe ich denn tief unten an der Schattenseite des Berges. Aber ich bin nicht grämlich geworden, sondern wohlgemut, halb schmunzelnd, halb gerührt, höre ich das fröhliche Lachen von anderseits her, wo die Jugend im Sonnenschein nachrückt und hoffnungsfreudig nach oben strebt”.

(Geschrieben von Wilhelm Busch im Jahr 1898)

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Marie Curie

Marie Curie

Seit jenem Tage, an dem Professor Becquerel seinem Kollegen Pierre Curie von seiner Entdeckung erzählt hatte, dass Unranerze Strahlen aussenden, gab es für Marie Curie nur noch ein Ziel: Das Geheimnis dieser rätselhaften Strahlung aufzudecken.

Mit derselben glühenden Begeisterung, mit der sie sich durch das Studium der Physik und Chemie gehungert hatte, ging sie an die Lösung der Aufgabe. Fünfundvierzig Monate arbeitete das Forscherehepaar Curie trotz schwieriger materieller Bedingungen in ungetrübter Harmonie.

Tonnenweise musste die Pechblende verarbeitet werden, schwere Gefäße mussten geschleppt, siedende Flüssigkeiten in mächtigen Bottichen gerührt werden.

Härteste Arbeit verband die zarte Frau mit substiler Messmethodik. Fünfundvierzig Monate voller Hoffnungen, voller Mühen, voller Entbehrungen, dann war der Sieg errungen: Im Jahr 1898 konnte das Ehepaar Curie der Wissenschaft die Auffindung zweier neuer strahlen- der Elemente bekanntgeben, Polonium das eine, gewidmet der polnischen Heimat der Madame Curie, Radium, „das Strahlende”, das zweite, hunderttausendmal stärker strahlend als Uran. Radium – unzählige Menschen verdanken ihm Gesundheit und Leben, und der Wissenschaft ermöglichte es tiefste Einblicke in den Aufbau der Materie. Seiner Erforschung blieb das Leben der Marie Curie gewidmet, als ein Unglücksfall ihr 1906 den Gatten entriss, an dessen Seite sie drei Jahre zuvor den Nobelpreis entgegengenommen hatte. Als bisher einziger Mensch empfing Marie Curie diese höchste Ehrung der Wissenschaft noch ein zweites Mal. Rastlos arbeitete sie weiter, ganz ihrem Werk hingegeben, bis schließlich dieselben Strahlen, die so vielen Leidenden bereits Heilung geschenkt hatten, ihr den Tod brachten, den Opfertod der Märtyrerin für ihre eige- ne, segensreiche Entdeckung.

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Madame Pompadour

Madame Pompadour

Eine vielgelästerte Frau, die vor allem Friedrich der Große mit bösem Spott bedachte, nicht zu seinem Heil; denn dieser ränkevolle Frau, die König Ludwig XV. von Frankreich zur Marquise de Poisson erhoben hatte, vergalt die Schmähungen, indem sie die gefährliche Koalition gegen Preußen in die Wege leitete.

Zur Zeit des Siebenjährigen Kriegs erstreckte sich ihr Einfluss in Paris sogar auf die Ernennung der Heerführer; kein Ministerwagte es. ihr zu widersprechen.

Die tugendhafte Kaiserin Maria-Theresia brachte es über sich, ihr Geschenke zu schicken, nicht nur aus politischer Taktik, sondern weil auch sie Friedrich den Großen ebenso verabscheute wie die Pariserin, die ihn einen Attila nannte. Und mit weiblichen Waffen hat die Pompadour nicht geringere Siege erfochten als der Alte Fritz mit Gewehren und Kanonen. Ihr Vater war Beamter. Dem reichen Liebhaber ihrer Mutter verdankte sie eine ausgezeichnete Erziehung und Heirat mit einem wohlhabenden Finanzpächter. Schon bald nach der Eheschließung lernte sie Ludwig XV. kennen, den lasterhaften König Frankreichs. Den Pächter gab sie auf und wurde fortan erste Dame bei Hofe, wo schließlich geschah, was sie wünschte. Sie förderte Wissenschaften und Künste, doch weitaus fleißiger sorgte sie dafür, die unersättlich Gier des Königs nach Zeitvertreib zu befriedigen, selbst als seine Leidenschaft für sie erkaltete. So macht sie sich unentbehrlich. Sie schürzte mit ihren zarten Händen den Knoten zu hundert Affären, während ganz Europa zu ergründen suchte, was ihr geheimes Wollen war; denn man wusste, ihr Wille war auch der Wille Ludwigs und damit Frankreichs. Umstritten, aber bedeutsam in ihrer geschichtlichen, in mancher Hinsicht liebenswerten Gestalt steht sie in der Geschichte ihrer Zeit. Der Name der Handtaschen unserer Großmütter, die man Pompadour nannte, ist eine kleine Erinnerung an das Leben der klugen Marquise.

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Edgar Allen Poe

Edgar Allen Poe

Nachdem der unglückliche Essayist Moeller van den Bruck eine zehnbändige deutsche Übersetzung dieses großen amerikanischen Dichters herausgegeben hatte, gab es bei uns eine Poe-Renaissance, die heute noch untergründig andauert. Man könnte Poe mit einem treffenden Paradox einen „unsterblichen Modernen” nennen. Zahllose Dichter haben von ihm gezehrt, düstere Romantiker sowohl wie spannungsgeladene Realisten, Lyriker, Novellisten und qualitätsvolle Detektivgeschichtenschreiber.

Er ist der Dirigent eines unübersehbaren Orchesters kleinerer Talente, die seine Noten spielen. In Poe mischen sich realistische und romantische Elemente wie sonst vielleicht nur noch bei dem Russen Gogol; in seiner Lyrik tritt eine lautmalerische Klangempfindung hinzu, die in seiner Ballade „Die Raben” oder in seinem Gedicht „Die Glocken” zur Virtuosität gesteigert ist. Dunkle Visionen („Lenore”, „An Helene”, „Ulalume”) erinnern an Lenau. Vor allem durch seine unheimlichen Kurzgeschichten hat er auf die Moderne gewirkt; er erfindet Spielszenen, die nur noch der Film unserer Zeit übertrifft; Angstträume, Todesphantasien, Verwesung sind häufige Themen, ebenso okkulte Phänomene, Magnetismus, Doppelgängerei und Seelenwanderung. Und er baut diese Komplexe in Erzählungen von schärfster Logik ein, die banale Zweifel ausschließen. Er ist ebenso der Meister des seelischen Banns wie des zwingenden Intellekts. Seine Kurzgeschichten tragen den Titel „Tales of the Grotesque and Arabesque”. Sein Abenteuerroman „Gordon the Pym” steht ebenbürtig etwa neben Conrads „Lord Jim”. Er hat die weltliterarische Bedeutung des Detektivromans mit seinem „Mörder in der Rue Morgue” begründet, aber ebenso der Kunsttheorie mit seiner „Philosophie der Komposition” höchst neuartige Wege gewiesen, die erst in unserer Zeit ganz sichtbar werden.

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